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Prof. Dr. Winfried Panse, Soziologe & Dipl.-Kaufmann

im Interview

Einige Highlights zum Appetit-Machen auf das ausführliche Radio-Video finden Sie unter dem Video.

G (Die Gesprächspartner): Herr Professor Panse, Sie wurden vorgeschlagen für den

Rat der Gesundheits-, Lebensqualitäts- und Heal-The-World- Weisen

mit Zielrichtung Bundesregierung, UNO, Unternehmen usw.

Vorab: Was sagen Sie als Emotions-Spezialist zur Automobil-Industrie?

 

PP (Prof. Panse): Angst muss nicht immer negativ sein. Wenn unsere oberen Führungs-Kräfte in der Automobil-Industrie ein bisschen mehr Angst gehabt hätten, entdeckt zu werden, wären sie vielleicht ehrlicher gewesen.

 

G: Der weltberühmte Prof. Richard Dawkins bestätigt die von Ihnen betonte Wichtigkeit der Emotionen. Er hat diesbezüglich erinnert an den Begriff des Mems (Memory-Verhalten steuernder Gedächtnis-Inhalt). Meme und Memplexe lösen Emotionen und Verhalten aus. Hat ein Gnu ein Mem, ein Löwe könnte es fressen, so löst dieses Mem eine gesunde Angst aus. Unrealistische Meme können problematische Emotionen auslösen. Und die richtigen Anreize können bewirken, dass die realistischen Ängste z.B. im Unternehmen nicht Ausmaße erreichen, die problematisch werden.

 

PP: Wenn ich als Führungskraft sage: „Da haben Sie ja schon wieder einen Fehler gemacht…“, löse ich Ängste aus, die schon den destruktiven Bereich erreichen. Ich verlasse den Idealbereich der konstruktiven Angst, der Erfolgs-Zone, der Zone der kreativen Unsicherheit, die zur Kreativität motivieren kann. Sinnvoll ist also die gesunde Mitte zwischen dem „es sich nur noch gemütlich machen“ und destruktiver Angst.

 

G: Genau diese Zone der kreativen Unsicherheit bzw. konstruktiven Unsicherheit, was es vielleicht besser trifft als konstruktive Angst, - diese Zone der kreativen konstruktiven Unsicherheit treffen wir zielsicher mit innerbetrieblichen Ranglisten.

Der Mitarbeiter möchte nicht absteigen, lieber ein wenig aufsteigen, kann sich bei den Vorderen der Rangliste eine Scheibe abgucken, kommt aber nicht in den Bereich der destruktiven Angst.

Generell kostet es einen gewissen Aufwand, saubere Messgrößen für den Arbeits-Erfolg und damit für die Ranglisten-Platzierungen zu schaffen. Genauso kostet es, Vergleichbarkeiten zu schaffen mit Tandems-Systemen oder gar der Aufspaltung eines Unternehmens (-Teils) in 2 miteinander in Wettbewerb stehende Unternehmen (s-Teile), aber so ist es möglich, Leistungen fair zu vergleichen, faire Ranglisten zu erstellen und dadurch steigt die Effizienz so stark an, dass die Kosten wieder mehr als eingebracht werden.

Ein Beispiel ist: Unternehmen Gastronomie-Kette: Wenn jede Filiale jahrelang von dem gleichen Geschäftsführer geleitet wird, fehlt der Unternehmens-Leitung jegliche Vergleichs-Möglichkeit und sie kann keine Rangliste der Geschäftsführer erstellen, - und vielleicht fangen die Geschäftsführer an, in die eigene Tasche hinein zu wirtschaften.

Wenn aber innerhalb einer Stadt jeder Geschäftsführer seine Filiale nur ein Jahr betreut und dann fürs nächste Jahr einen Wechsel mit dem anderen Geschäftsführer vollzieht, dann kann die Unternehmens-Leitung sehen: Hoppla, jetzt, wo Geschäftsführer x neu ist, bringt die Filiale nach einiger Zeit mehr ein, und dort, wo y neu ist, wirft die Filiale etwas weniger ab, also muss x in der Rangliste vor y platziert werden. Das löst in y kreative konstruktive Unsicherheit aus und er sucht nach Ideen, sich zu verbessern.

Gelingt es y nicht, sich zu verbessern, bekommt z die Chance, y mal für ein Jahr zu ersetzen, wodurch man dann am Ende eine klare Ranglisten-Reihenfolge für x,y und z herausbekommt. Und vielleicht wird alles noch effektiver, wenn x mit z ein Tandem bildet und y mit w, denn dann entsteht ein konstruktiver Brainstorming-Effekt durch den Austausch von Berater und Entscheider. Und das Unternehmen kann am Ende sehen, ob der Berater vielleicht sogar sinnvollere Ideen zu Protokoll brachte als das, was dann der Entscheider tatsächlich umgesetzt hat... Ein weites Feld....

Zu einem anderen Aspekt: Prof. Richard Dawkins bekam Zweifel an unserem Gesellschafts-System bei seiner Scheidung. Beide wollten sich harmonisch scheiden lassen, waren aber durch das englische Gesetz gezwungen, jeder einen Anwalt zu nehmen, und die gingen wie häufig derart aufeinander los, dass das Paar litt und gezwungen war, die Anwälte reich zu machen. Da ahnte er, dass wir ein besseres Gesellschafts-System brauchen.

Und die Lösungs-Idee sprachen später Prof. Dr. Dr. med. Karin Michels, Dr. Helmut Hildebrandt und der Kinderarzt Christian Döring am Beispiel des Gesundheits-Wesens an und inspirierten zu dem Kern-Satz: Warum nicht den Arzt belohnen, wenn ich nie krank werde, und etwas weniger belohnen, wenn ich chronisch krank werde oder bleibe? Wobei man bei allen Varianten solcher neuen Systeme durch wasserdichte System-Merkmale absichern muss, dass die chronischen Problem-Fälle dennoch eine hausärztliche Heimat behalten.

Was sagen Sie generell zu dem neuen Belohnungs-Modell?

 

PP: Da sind wir überein.

 

G: Prof. Dr. Friedemann Schrenk, der TV-präsenteste Paläoanthropologe in Deutschland, Prof. Richard Wrangham, der wohl TV-präsenteste biologische Anthropologe, Prof. Dr. Volker Sommer, Prof. Dr. Eckart Voland, TV-präsente Evolutionsbiologen, Prof. Frans de Waal, der TV-präsenteste Biologe für Bonobos/Schimpansen, Prof. Kristen Hawkes, Prof. Sarah Blaffer Hrdy, TV-präsente Anthropologinnen und Prof. Burrhus F. Skinner inspirieren dazu, alle gesellschaftlichen Systeme als ökologische Nischen zu verstehen, in denen die Rahmen-Bedingungen und Anreize Memetische und Genetische Evolutionsprozesse auslösen.

In einer Skinner-Box dreht die Taube sinnlose Pirouetten, wenn sie dafür Futterpillen bekommt. Ähnliches kann auch im Unternehmen durch Fehlanreize ausgelöst werden und dem Unternehmen schaden. Setzt das Unternehmen hingegen bewusst wasserdichte positive Anreize, kommt es zum konstruktiven Handeln. Was halten Sie von dieser Idee?

 

PP: Die ist sehr vernünftig. Das Beispiel mit der Taube gefällt mir sehr gut.

 

G: In einer gesunden, fairen, leistungssportlichen Atmosphäre im Unternehmen würde die Führungskraft nur freundschaftlich sagen: „Wir suchen im Unternehmen einen Platz, der besser zu Ihren Talenten passt und wo Sie in den internen Ranglisten dann etwas höher platziert sein können.“ Und wenn in diesem Unternehmen kein passender Arbeitsplatz zu finden ist, kommt der Arbeits-Amt-Mitarbeiter, nimmt den Mitarbeiter an der Hand und geht zum Nachbar-Unternehmen und gibt keine Ruhe, bis der Arbeitnehmer einen neuen Arbeitsplatz hat, denn genau dann kann er unter den neuen Anreiz-Bedingungen in der Arbeits-Agentur richtig Karriere machen. So verhindert er Arbeitslosigkeit, statt sie zu verwalten.

 

PP: Die Stadtsparkasse macht gerade das, was Sie sagen, sie versucht Mitarbeiter wegen Filialen-Schließungen in anderen Banken unterzubringen.

 

G: Sie tut also das, was in Zukunft ein gesundetes Arbeitsamt mit den richtigen neuen Anreiz-Setzungen tun würde.

Es wird ja behauptet, das Beispiel Gesundheits-System könne auf alle anderen System ähnlich übertragen werden. Welches andere System sollen wir mal ansprechen?

 

PP: Das Bildungssystem.

 

G: Dort heißt, die richtigen neuen Anreize zu setzen, die Steuerleistungen der Absolventen zur Grundlage der Belohnungen aller Bildungs-Profis zu machen.

Eventuell erstellen dabei erfolgreiche, also in den zukünftigen Ranglisten wegen hervorragender Steuer-Leistung ihrer Absolventen weit oben geführte Professoren der letzten Studien-Semester Eingangs-Tests für die Studenten vorheriger Semester.

Usw. immer weiter runter bis zu den in der Rangliste höchstplatzierten Grundschul-Lehrern, die Schul-Eingangs-Tests entwickeln, so dass auch die KiTa-Mitarbeiterin schon eine erste Rückmeldung bekommen kann, ob sie auf dem richtigen Weg ist mit ihrem pädagogischen Stil, und nicht auf die erst viel später kommende Steuerleistungs-Rückmeldung warten muss.

Am Ende werden die Ranglisten-Positionen aus den Tests endkorrigiert durch die faktischen Steuerleistungen, wenn die ehemaligen Kinder dann in den Beruf gehen. So hat die KiTa-Mitarbeiterin die Chance, sich zu verbessern, sich von denen was abzuschauen, die in der Rangliste vor ihr stehen, und so ein wenig in der Rangliste nach oben zu klettern.

 

PP: Ja, und so bekommt die KiTa-Mitarbeiterin schon bald vielleicht 100 Euro mehr.

 

G: Genau. Herr Prof. Panse, wir danken Ihnen sehr herzlich für das Gespräch.

 

Nachtrag:

Bei der Gesundheits-Reform wurde vergessen, deutlich zu machen, dass eben die zukünftige Aufgabe des Hausarztes darin bestehen wird, alles präventiv-medizinische zu tun, was nötig ist, um den Gang zum Orthopäden unnötig zu machen. Hat der Versicherte trotz aller Präventiv-Bemühungen dennoch Schmerzen, geht er einfach zum Orthopäden, und der Hausarzt kommt nicht um entsprechende Abzüge herum. Das motiviert den Hausarzt dazu, zukünftig noch bessere Angebote für den Bewegungs-Apparat seiner Versicherten zu machen. Und der Orthopäde sollte auch möglichst wieder danach bewertet werden, ob seine Maßnahmen schnellen und bleibenden, dauerhaften Erfolg hatten oder ob sie das Problem eher noch vergrößerten.

Zu den Unternehmen:

Letztlich geht es darum, in Unternehmen Vergleichbarkeit zu schaffen. Tandem (das den Gruppen-Arbeits-Vorteil teilweise bringt, weil schon 4 Augen mehr als 2 sehen), Parallelisierung usw. bedeutet, dass am Ende mindestens 2 in Wettbewerb stehende Unternehmens-Teile, Unternehmen bzw. Mitarbeiter mehr Leistung erbringen, wenn sie wissen, dass es ein faires lockeres Wett-Rennen ist, das sie gerne gewinnen möchten.

Und genauso, wie jeder Sportler gerne in der Welt-Rangliste klettern möchte, möchten das dann auch die Mitarbeiter. Optimal wäre es also, dass jede Tätigkeit im Unternehmen mindestens von 2 Personen durchgeführt wird, deren Ergebnisse man vergleichen kann und die man in einer kleinen öffentlichen Rangliste führen kann. Tut man das nicht, wächst ständig die Ineffizienz im Unternehmen.

Das Beispiel, dass der Ingenieur innerhalb seines Bereiches befördert wird, ohne unbedingt Führungs-Kraft werden zu müssen, ist das Gleiche, wie wenn er als in der Rang-Liste Führender höhere Boni erhält als die anderen. Eben dann bekommt er immer mehr Spass an seiner Leistung. Die Rang-Liste bringt denjenigen gesunden Nerven-Kitzel, der der Zone der kreativen und konstruktiven Unsicherheit entspricht.

Wenn eine Führungs-Kraft Mitarbeiter erniedrigt, abwertet usw., dann tut sie das oft aufgrund von unrealistischen Irrtums-Memen. Also haben wir es in den Unternehmen keineswegs nur mit realistischen Emotionen zu tun. Aber richtig ist, dass man nicht von gesund oder krank sprechen sollte, sondern ausschließlich von realistisch und unrealistisch, von Wahrheit und Irrtum.

Wenn ein Waffen-Händler das Märchen von der angeblichen Angriffs-Lust der Nachbar-Gruppen verbreitet und der Mensch das glaubt, ist sein Kopf voll von Irrtums-Memen, die ihn dann dazu verleiten, dem Waffen-Händler dessen Waffen-Arsenal abzukaufen.

Weswegen wir unbedingt der bisherigen Rüstungs-Industrie und zukünftigen Friedens-Sicherungs-Industrie neue positive Anreize setzen müssen.

Bei dem im Gespräch angesprochenen Modell eines von Fehl-Anreizen korrigierten Privaten Kranken-Versicherungs-Schutzes sind zusätzliche Mechanismen erforderlich, um zu garantieren, dass auch die unliebsamsten Fälle auf jeden Fall eine hausärztliche Versorgung garantiert bekommen.

Z. B. muss, nachdem ein Versicherter auf Anregung des Haus-Arztes zweimal den Haus-Arzt gewechselt hat auf der Suche nach dem für ihn besten Hausarzt, der Versicherte von der Versicherung in die Gruppe derer aufgenommen werden, die von der Versicherung aus auf die Haus-Ärzte der Umgebung gerecht zufalls-verteilt werden und um die der Haus-Arzt sich dann kümmern muss.

Denn schließlich muss jeder Haus-Arzt sich auch um einige Problem-Fälle kümmern, und das wird bei einem guten Arzt dennoch ein sehr gutes Gesamt-Einkommen übrig lassen.

Insgesamt ist das angesprochene Modell eines der schlechteren Modelle, es hat nur den Vorteil, dass es sofort jetzt ohne jegliche Reformen schon angewendet werden könnte. Jede Praxis könnte es direkt anwenden, solange sie auf dem (eventuell notarlich oder anwaltlich kontrollierten) Konto noch diejenigen Beträge zurückhält, die schlimmstenfalls noch als Selbst-Beteiligungs-Zahlungen für die Patienten anfallen können.

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